Hells Hitman Administrator

Anmeldungsdatum: 21.08.2004 Beiträge: 42 Wohnort: Duisburg
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Verfasst am: 21.08.2004, 20:31 Titel: [PS2] Red Dead Revolver |
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Die Story beginnt wie in einem der üblichen Westernfilme. Der Jüngling Red muss zusehen wie seine Eltern vor seinen Augen erschossen werden. Sein Vater hatte ein paar Tage zuvor, nach langem Suchen, eine Goldmine entdeckt, womit alle Geldsorgen der Familie beseitigt gewesen wären. Doch einigen anderen finsteren Gesellen hat dies anscheinend nicht so ganz in den Kram gepasst. So kommt es, wie es kommen muss. Red wächst zu einem beinharten Cowboy und Kopfgeldjäger heran und sinnt auf Rache. Sein einziges Ziel ist es, die Mörder seiner Eltern zu finden und … nun, Sie kennen das ja!
Das Übliche
Um seinen Hass zu befriedigen, muss sich Red durch 27 Kapitel ballern und trifft dabei auf zahlreiche Charaktere. Die einen sind ihm freundlich gesonnen, andere wiederum nicht. Da wären zum Beispiel der britische Gentleman und Revolverheld Jack Swift, der Ugly Chris, die rassige Frau Bad Bessie, der Indianer Shadow Wolf oder General Diego. Wie diese Personen aber zusammenhängen und was die Verbindung zu der eigentlichen Geschichte ist, die mittels zahlreichen Zwischensequenzen weiter vorangetrieben wird, wird erst mit der Zeit klar.
Den Großteil des Spiels bestimmen die Schusswechsel. Mit Revolvern, Gewehren, Schrotflinten, Dynamit und Molotow-Cocktails dürfen Sie Ihren Widersachern Feuer unter dem Hintern machen. Sie bekommen es dabei mit starken und teilweise auch sehr abgefahrenen Boss-Gegnern zu tun.
Einer der seltsamsten Gestalten ist dabei Pig Josh, der Innbegriff des Selbstmordattentäters im Wilden Westen. Mit einer Ladung voll Dynamit am Körper macht er Jagd auf Sie und sprengt sich dann, wenn er Ihnen nahe genug ist, selbst in die Luft, ohne dabei aber irgendwelchen Schaden zu nehmen. Hoardcore-Westernfans dürften solche abgedrehten Einfälle wohl etwas sauer aufstoßen, für alle anderen bieten solche Aktionen aber eine nette und erfrischende Abwechslung.
Wild Wild West
Wie es sich für einen richtigen Western gehört, werden auch keine der obligatorischen und klischeehaften Ereignisse ausgelassen. So müssen Sie sich zum Beispiel in einer Saloon-Schlägerei behaupten, Geldtransporter überfallen, Frauen befreien, einen Zug gegen Angreifer verteidigen, auf Dächern von Wagons kämpfen und natürlich, wie könnte es anders sein, Duelle mit anderen Schergen austragen.
Für die Duelle haben sich die Entwickler etwas ganz besonderes Einfallen lassen. Mit dem rechten Analogstick holt man erst den Revolver aus dem Halfter und zielt anschließend auf seinen Kontrahenten. Dies alles passiert im Zeitlupenmodus, wobei man aber nur begrenzt Zeit für diese Aktion hat. Anschließend läuft alles wieder in Echtzeit ab und das Duell wird ausgeführt. Wenn Sie gut gezielt haben, werden Sie der Sieger und somit der Überlebende sein. Das hört sich jetzt vielleicht etwas schwierig an, in Wahrheit ist es aber ganz simpel und macht vor allem viel Spaß.
Die Steuerung der anderen Bewegungsabläufe ist ebenfalls gut gelungen. Mit dem linken Analogstick bewegen Sie Ihren Charakter und mit dem rechten Stick die Kamera. Mit der linken Schultertaste ziehen Sie ihre Waffe und mit der Rechten drücken Sie ab. Außerdem können Sie per Knopfdruck in Deckung gehen oder zur Seite hüpfen.
Wie viele andere Spiele, wurde auch dieser Western-Shooter von der Bullet-Time aus Max Payne inspiriert. Per Tastendruck aktivieren Sie einen Zeitlupen-Modus, wo dann alles verlangsamt abläuft und Sie nun in aller Ruhe auf Ihre Gegner anlegen können. Allerdings ist der Einsatz dieses Modus begrenzt. Erst wenn Sie wieder genügend Punkte gesammelt haben, die Sie durch das Erledigen Ihrer Kontrahenten erhalten, dürfen Sie diesen so genannten Dead Eye-Modus wieder anwenden.
Kurz und Schmerzlos
Für erledigte Gegner bekommen Sie auch noch Kopfgeld, das Sie für Waffen oder andere Utensilien verwenden können. Durch den Kauf von Halstüchern, Kleidung oder anderen Waren werden Charaktere für den Multiplayermodus oder Tagebuchseiten frei geschalten. Im Tagebuch erfahren Sie zusätzliche Informationen und Hintergründe über die Geschichte.
Damit das Rumballern nicht zu eintönig wird, steuern sie in manchen Levels andere Charaktere, wie zum Beispiel General Diego, den britischen Gentleman oder eine knallharte Farmerlady. Letztendlich unterscheiden sich diese aber von der Steuerung kaum, lediglich die Waffen sind etwas anders. Trotz der Vielzahl an Charakteren, den Duellen, der abwechslungsreichen Missionen und der cool inszenierten Western-Story bietet das Action-Spiel von Rockstar aber nicht wirklich etwas Neues. Alles wirkt schon wie einmal erlebt.
Das größte Manko ist aber die Spielzeit. Ähnlich wie bei Max Payne 2 oder Call of Duty erlebt man bereits nach sechs bis zehn Stunden die Endsequenz. Zwar werden durch das erfolgreiche Absolvieren der Kampagne ein weiterer Schwierigkeitsmodus und andere Boni freigeschalten, aber zum erneuten Durchspielen spornen diese nur bedingt an.
Auch der Mehrspielermodus ist keine echte Offenbarung. Bis zu vier Spieler können in drei verschiedenen Deathmatch-Spielmodi über einander herfallen. Im „Bounty Hunter“-Modus gewinnt der Spieler, der als Erster eine bestimmt Punktegrenze überschreitet. Bei „Sundown“ siegt jener Zocker, der, wenn die Zeit abgelaufen ist, am meisten Punkte hat und „High Noon“ ist ein klassisches Western-Duell, wo immer zwei Spieler gegeneinander antreten. Eine X-Box-Live Unterstützung gibt es übrigens nicht.
Das Gehirn weg gesoffen?
Für wenig Freude sorgt auch das Verhalten der Künstlichen Intelligenz. Die Widersacher laufen nicht selten einfach in Ihre Schusslinie und haben offensichtliche Probleme bei der Kollisionsabfrage mit Objekten. Sie hinterlassen mehr den Eindruck aufgescheuchter Hühner, was für Sie die Aufgabe letztendlich einfacher macht, aber einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlässt und einfach lächerlich wirkt.
Grafisch bleibt "Red Dead Revolver" sichtlich hinter dem technisch Möglichen zurück. Die Texturen wirken sehr undetailliert, die Charaktermodelle sehr eckig und kantig und die Animationen wirken äußerst hölzern. Auch die Levels geizen mit Details. Schön sind dafür die Unschärfeeffekte und die Staub- und Streifeneffekte in den Zwischensequenzen, die die Optik eines alten Western-Films vermitteln. Das Leveldesign selbst ist gut gelungen, und abwechslungsreich. Vom engen Canyon bis hin zur belebten Western-Stadt ist alles vertreten. Die Levels sind etwas klein geraten, aber die Ladezeiten sind dafür auch entsprechend kurz.
Der Sound spielt im Gegensatz zur Grafik gleich eine Klasse höher. Sowohl der Soundtrack als auch die Sprachausgabe sind ganz hervorragend gelungen. Zwar gibt es keine deutsche Synchronisation, aber so wirkt das Spiel sicher authentischer. Leute, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, brauchen angesichts dessen aber nicht verzweifeln – jeder englische Kommentar wird von deutschen Untertiteln begleitet.
Fazit
Für Shooter-Fans mit Hang zum Western ist "Red Dead Revolver" sicher genau das Richtige. Das Western-Flair wird gut auf den Spieler übertragen. Innovationen dürfen Sie sich allerdings nicht erwarten. Die dürftige künstliche Intelligenz, die kurze Spielzeit, die mäßige Grafik und die klischeehafte Story sorgen zudem dafür, dass es für das Spiel der GTA-Macher nur zu einem Platz im Mittelfeld reicht. Auf Grund des unverbrauchten Szenarios ist das Spiel für Fans aber auf jeden Fall einen Blick wert. _________________ 667 - Neighbour of the Biest  |
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